Ludwig van Beethoven: "Christus am Ölberge"

Sonntag, 24. März 2013, 19:00

 

 

 

 

Edward Elgar (1857 - 1937): Streicherserenade in d-Moll
Ludwig van Beethoven (1770 - 1827): "Christus am Ölberge" op. 85

Oratorium für Soli, Chor und Orchester

Sibylla Duffe, Seraph (Sopran)
Jörg Brückner, Christus (Tenor)
Matthias Ettmayr, Petrus (Bass)

Chorgemeinschaft und Orchester St. Cäcilia
Thomas Scherbel, Leitung

 

Pogrammfolge:

Edward Elgar
(1857 - 1934)
Serenade
für Streichorchester e-Moll
op. 20
Allegro piacevole
Larghetto
Allegretto


Ludwig van Beethoven
(1770 - 1827)
Christus am Ölberge
Oratorium für Soli, Chor und Orchester op. 85

  1. Introduzione
    Recitativo (Christus): Jehova! Du! Mein Vater!
    Aria (Christus): Meine Seele ist erschüttert
  2. Recitativo (Seraph): Erzittre, Erde!
    Aria (Seraph), Coro (Chor der Engel): Preist, preist des Erlösers Güte
  3. Recitativo (Seraph, Christus): Verkündet Seraph mir dein Mund
    Duetto (Seraph, Christus): So ruhe denn mit ganzer Schwere
  4. Recitativo (Christus): Willkommen, Tod!
    Coro (Chor der Krieger): Wir haben ihn gesehen
  5. Recitativo: (Christus): Die mich zu fangen ausgezogen sind
    Coro (Chor der Jünger, Chor der Krieger): Hier ist er, der Verbannte
  6. Recitativo (Christus, Petrus): Nicht ungestraft soll der Verwegnen Schar
    Terzetto (Seraph, Christus, Petrus): In meinen Adern wühlen
    Coro (Christus, Chor der Jünger, Chor der Krieger): 
    Auf, auf! Ergreifet den Verräter
    Coro (Chor der Engel): Welten singen Lob und Ehre
    Coro (Chor der Engel): Preiset ihn, ihr Engelschöre   

 

Orchester St. Cäcilia

Flöte: Katalin Remitzky, Iva Kusic
Oboe: Daniela Langanki, Gabi Rossberger
Klarinette: Matthias Frankenhauser, Maximilian Strutynski
Fagott: Bärbel Winkelmann, Elisabeth Vogel
Horn: Manfred Giosele, Esther Kretschmer
Posaune: Carsten Ahner, Arno Welz, Stefan Schirmer
Trompete: Kilian Dicke-Stucky, Maja Stucky
Pauken: Kurt Kraus
Violine: Maria Andersohn, Albrecht Bischoffshausen, Anna Skouras,
Dorothea Emmert, Thomas Floßmann, Hannes Lindhuber, Martha Zuralska, Benedikt Kellermann
Viola: Josephine Pauler, Eva Gröner, Gerald Schmidtsdorff
Violoncello: Thomas Waldherr, Edda Bischoffshausen
Kontrabass: Claus Freudenstein

 

Werkeinführung

Sir Edward Elgar (1857 – 1934) ist vor allem als Chor- und Orchester-komponist bekannt. Als erster britischer Komponist seit Purcell erlangte er internationalen Status.
Seine Serenade für Streichorchester in drei kurzen Sätzen op. 20 entstand im Jahr 1888 und zählt damit zu seinen frühen Werken.
Der erste Satz im 6/8-Takt beginnt mit einer schwungvollen, rhythmischen Figur. Die Satzüberschrift „piacevole“ bedeutet so viel wie erfreulich oder angenehm. Das zentrale Larghetto kommt dem reifen Stil Elgars am nächsten, was sich durch eindringliche, elegische Melodien zeigt.
Der Schlusssatz ist von jugendlichem Charme erfüllt und greift gegen Ende das Thema des Kopfsatzes wieder auf.
Die Serenade für Streicher op. 20 gehört bis heute zu den am häufigsten gespielten Werken Edward Elgars.

Ludwig van Beethovens (1770 – 1827) einziges Oratorium „Christus am Ölberge“ steht als Passionsoratorium zu Beginn des 19. Jahrhunderts inmitten einer Zeit des gattungsgeschichtlichen Umbruchs.
Ende Januar des Jahres 1803 verpflichtete sich Beethoven dem Theater an der Wien. Dadurch bot sich ihm die Möglichkeit, in der Passionszeit ein Akademiekonzert zu geben. In den „tempora sacrata“ (Zeit zwischen Advent und Karwoche) war es Tradition, ein Oratorium zur Aufführung zu bringen. So komponierte Beethoven „Christus am Ölberge“ innerhalb kürzester Zeit während der ersten Monate des Jahres. Die Uraufführung fand am 5. April 1803 im Rahmen eines Akademiekonzertes statt, in dem auch seine 2. Symphonie op. 36 sowie sein 3. Klavierkonzert op. 37 erstmals öffentlich erklangen.
Die Handlung des Oratoriums setzt im Garten Gethsemane ein, als Jesu Verhaftung kurz bevorsteht und dieser seinen Vater um Trost bittet, gleichzeitig aber seinen bevorstehenden Kreuzestod „zum Heil der Menschheit“ willkommen heißt. Als die Krieger auftauchen, um Jesus zu verhaften, bittet dieser seinen Vater, die Leidensstunden mögen „rasch, wie die Wolken, die ein Sturmwind treibt“, vorübergehen. Währenddessen flehen die Jünger um Erbarmen. Petrus versucht, Jesus zu retten, wird aber von diesem davon abgehalten. Als Jesus von den Kriegern gepackt wird, beschließt ein Chor der Engel das Werk.
Das Libretto zu „Christus am Ölberge“ stammt von Franz Xaver Huber, einem seinerzeit in Wien bekannten Opernlibrettisten. Sein Text ist insofern problematisch, als er eigenartigerweise aus theologischer Sicht zentrale Punkte der als Vorlage dienenden Bibelstelle nicht berücksichtigt. Jesu Verlassenheit und Einsamkeit, die schlafenden Jünger, den Verrat durch Judas sowie seine Gefangennahme. Stattdessen wird mit der mehrfach dargestellten Angst vor Leid und Schmerz ein menschliches Bild von Jesus gezeichnet, das von der Vorstellung des erhabenen Gottessohns stark abweicht und in der Oratorientradition der Zeit weder bekannt war noch akzeptiert wurde. Auch die Dichtung als solche kann nicht gerade als gelungen bezeichnet werden.
Wegen der stellenweise hochdramatischen Musik aber, die beim Hörer starke Emotionen auszulösen vermag, gebührt dem Werk dennoch ein breiter Platz im Repertoire unserer Chöre.
Beethovens Musik zeigt stark opernhafte Züge, man könnte sie als Vorstudie zur gleichzeitig begonnenen Arbeit an „Fidelio“ betrachten. Sie ist in traditioneller Weise nach einer orchestralen Introduzione in eine Folge von Rezitativen, Arien und Chören gegliedert. Die Kontraste sind höchst wirkungsvoll dargestellt, die Musik versetzt den Hörer in  die gegensätzlichen Empfindungen von Angst, Schrecken, Zorn und Jubel. Im Gegensatz zu früherer Tradition ist die Christuspartie einem Tenor anvertraut, weitere Personen der Handlung sind der Sopran Seraph (ein sechsflügeliger Engel) und Petrus als Bass. Der Chor ist mehrfach geteilt in den Chor der Engel, den Chor der Krieger und den Chor der Jünger.  
Die Orchester Introduktion beginnt mit einem gebrochenen Es-Moll-Akkord der Hörner, Fagotte und Posaunen, es folgt ein wehmütiges Thema der sordinierten Streicher, erst dann stimmen auch die hohen Bläser ein. Diese glänzend instrumentierte Einleitung, teilweise besetzt mit Alt-, Tenor- und Bassposaune und tief grollenden Gängen der Celli und Kontrabässe, mündet als großangelegter instrumentaler Klageruf direkt in den ersten Auftritt des Helden: Der Monolog (Rezitativ und Arie) des Jesus gibt Einblick in die menschliche Existenz des Gottessohnes, die mit allen Mitteln musikalisch interpretiert wird.
Die im Zentrum des Werkes stehende Gefangennahme Jesu ist unter Verwendung von Märschen musikalisch umgesetzt; sie stehen für feindseliges Handeln.
Der sich an das dramatische Final-Ensemble anschließende Dankeschor steht in der Tradition Händels oder Haydns. Er beginnt mit einer „Maestoso“ überschriebenen instrumentalen Einleitung. Mit ihm wird dem eigentlichen Drama ein glanzvolles Orchesterfinale angefügt. 
 

 

Sibylla Duffe, Sopran

Als „besonders höhenstarke Sopranistin mit außergewöhnlicher Bühnenpräsenz und großem schauspielerischen Talent“ wird Sibylla Duffe von der Jury des „Bayerischen Kunstförderpreis 2010“ in der Sparte Darstellende Kunst gelobt. Der Preis, durch den bayerischen Minister Dr. Heubisch im Herbst 2010 verliehen, betont: „Mit ihrem Witz, Charme und Temperament ist sie rasch zu einem Publikumsliebling in München geworden. Dank ihrer erstaunlichen Wandlungsfähigkeit vermag sie jeder Rolle eine andere Körperlichkeit zu geben und ihrem Sopran dafür neue Farben abzugewinnen.“ Die Sopranistin wurde 1981 in Windsbach, (Deutschland, Bayern), geboren. Sibylla Duffes gesangliche Ausbildung begann 1999 bei Prof. Maria de Francesca-Cavazza, bei der sie von 2001 bis 2006 auch ihr Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und Theater München absolvierte. Von 2003 bis 2007 war Sibylla Duffe zudem Studentin an der Bayerischen Theaterakademie August Everding und wurde 2004 Stipendiatin des Deutschen Bühnenvereins. Im Jahr 2006 legte sie ihr Diplom im Fach Gesang mit Auszeichnung ab und qualifizierte sich damit zum Meisterklassenstudium, welches sie bei Prof. M. de Francesca- Cavazza fortsetzte und 2008 mit dem Meisterklassendiplom abschloß . Während ihrer Ausbildung wirkte sie bereits bei mehreren Projekten an der Bayerischen Theaterakademie mit und war u.a. 2003 als Gottliebchen in Detlef Glanerts‘ zeitgenössischen Oper „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ und im Jahr 2007 als Despina in "Cosi fan tutte“ im Prinzregententheater zu sehen und zu hören. 2006 wurde Sibylla Duffe Finalistin des Belvedere Gesangswettbewerbs in Wien. In den Spielzeiten 2007/08 bis 2011/2012 gehört sie dem Ensemble des Staatstheaters am Gärtnerplatz an und ist dort mit einem bunt gefächerten Repertoire vom Soubretten-Fach bis zu lyrischen Koloratur-Partien zu erleben, womit sie regelmäßig von den Kritikern und dem Publikum auf Grund ihrer Spielfreude, Rolleninterpretation und Musikalität große Beachtung findet. So durfte man sie dort unter anderem in einer „Fledermaus“-Neuinszenierung als „Adele“, in Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ als „Eurydike“, und in der „Zauberflöte“ als „Pamina“ sehen und hören. Sibylla Duffe gastiert regelmäßig an Bühnen im deutschsprachigen Raum, um nur einige zu nennen war sie an der Volksoper Wien als „Zerline“ in Aubers „Fra Diavolo“ und an der Deutschen Oper am Rhein als „Blonde“ zu erleben. Im Sommer 2012 kehrte Sibylla Duffe wieder an die Rheinoper zurückkehren, diesmal mit einem Rollen-Debut als „Rossignol“ in Strawinsky‘s gleichnamiger Oper. Jüngste Internationale Stationen waren unter anderem das „Teatro dell‘Opera“ in Rom (Papagena) und das Stadttheater Klagenfurt (Arsena). Im April diesen Jahres wird sie Ihr Debut an der Bayerischen Staatsoper als „Blonde“ geben.
www.sibylladuffe.de

 


Jörg Brückner, Tenor

Der Tenor Jörg Brückner studierte an der Hochschule für Musik in Würzburg Gesang bei Prof. Charlotte Lehmann und Musik-Interpretation bei Dr. Ernst Huber-Contwig (Hannover).
Er arbeitete des weiteren mit KS Kaja Borris (Berlin), Herrn Prof. Heiner Hopfner (Salzburg) und läßt sich derzeit von KS Irmgard Boas (Dresden) betreuen.
Kurse besuchte er bei  KS Astrid Varnay (16. Münchner Singschul’), KS Alfredo Kraus (Santander, Spanien) und Cornelius L. Reid (New York, USA).
1998 erhielt er ein Stipendium des Richard-Wagner-Verbandes, Bayreuth.
Im Sommer 1999 wirkte er bei der Kammeroper Schloß Rheinsberg als Fenton in „Die lustigen Weiber von Windsor“ mit.
Ab Mai 2000 holte Ihn Götz Friedrich als Stipendiat an die Deutsche Oper Berlin, wo er unter Dirigenten wie Christian Thielemann, Kyrill Petrenko, Michail Jurowski, Jiri Kout, Marcello Viotti und Stefan Soltesz sang.
Im Jahrbuch 2003 der Zeitschrift „Opernwelt" wurde Jörg Brückner als Nachwuchskünstler des Jahres nominiert.
Von 2002 bis 2007 gehörte er dem Anhaltischen Theater Dessau als festes Ensemblemitglied an, wo er als Boris („Katja Kabanova“), Herzog („Nacht in Venedig“),
Hans („Verkaufte Braut“), Don José („Carmen“), Sam („Street Scene“), Prinz („Rusalka“), Ferdinand („Louise Miller“), Sou Chong („Land des Lächelns“),
Don Ottavio („Don Giovanni“), Tassilo („Gräfin Mariza“), Tamino („Zauberflöte“), Wilhelm Meister („Mignon“) und Zarewitsch („Der Zarewitsch“) zu hören war.
Seither ist er freischaffend.
Jörg Brückner gastierte u.a. mit Tamino (Zauberflöte), Lyonel (Martha), Prinz (Rusalka), Hans (Verkaufte Braut) und Sou Chong (Land des Lächelns – u.a. Peter Konwitschny/Kyrill Petrenko)
am Theater Heidelberg, dem Anhaltischen Theater Dessau, dem Staatstheater Braunschweig, dem Theater Basel, der Oper Halle und der Komischen Oper Berlin.
Auf seinem künstlerischen Weg arbeitete er mit renommierten Orchestern zusammen, wie dem Münchner Rundfunkorchester, dem Orchester der Deutschen Oper Berlin,
dem Konzerthausorchester Berlin und den Hamburger Philharmonikern.
Zahlreiche Konzerte im Konzertfach führten ihn u. a. nach Italien, Spanien, Dänemark und Österreich.
Er gestaltet regelmäßig Liederabende.

 

 

 

 

 

Matthias Ettmayr, Bass

Matthias Ettmayr erhielt nach dem Stimmbruch Gesangsunterricht bei Gerhard Schmidt-Gaden in Bad Tölz, später auch bei Daphne Evangelatos und Franz Reuter. Zur Abrundung besuchte er Meisterkurse, u. a. bei Kurt Equiluz. Die Mitwirkung in verschiedenen semiprofessionellen Chören wie etwa der Gächinger Kantorei und dem Süddeutschen Vokalensemble prädestinierte ihn geradezu für einen Berufschor.
An dieser Stelle wird es Zeit, einen kurzen Blick auf Matthias Ettmayrs "anderen", technischen Lebenslauf zu werfen: Nach dem Abitur und Zivildienst studierte er Maschinenbau an der TU und an der FH in München, war unmittelbar darauf bei einer Firma in Stockdorf angestellt und gründete schließlich 1997 eine eigene Firma für EDV-Netzwerke und Telekommunikation. Damit befindet er sich in bester Gesellschaft: Der Bariton Bernd Weikl ist studierter Volkswirt, Hans-Peter von Blochwitz kam über den Umweg eines Ingenieurberufes zu seinem tenoralen Glanz, und die fabelhafte Waltraud Meier studierte Anglistik und Romanistik, bevor sie ihre Sängerkarriere begann. Während seines Studiums und der anschließenden Berufstätigkeit sang Matthias Ettmayr im Balthasar-Neumann-Chor, der ausschließlich aus Solisten besteht, sowie aushilfsweise in unserem Konzertchor und im Berliner Rundfunkchor. Im Gegensatz zum Laiensolisten, der zumeist aus einem Chor hervorwächst, muss ein Sänger, der in einen professionellen Chor aufgenommen werden möchte, zuerst seine solistischen Qualitäten sicherstellen und beweisen. Matthias Ettmayr war und ist als Solist mit namhaften Chören und Orchestern bei verschiedenen bekannten Festivals zu hören. Im Gegensatz zu seiner Stimmlage, die im tiefsten Keller angesiedelt ist, will der Vater zweier Kinder in der Freizeit hoch hinaus und betreibt Extrem-Bergsteigen; Tauchen und Segeln gehören jedoch ebenfalls zu seinen bevorzugten Freizeitaktivitäten.
Seit September 2003 ist Matthias Ettmayr festes Mitglied im Chor des Bayerischen Rundfunks.

 


Ort : Kirche St. Cäcilia, Germering